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Monday, December 10, 2012

Wie man sich das Sado-Maso-Studio spart



O welch blinde Freude

Welch Hunger, aufzubrauchen

die Luft, die wir atmen,

den Mund, das Auge, die Hand.

Welch beißender Reiz

restlos uns zu verausgaben

in einem einzigen Gelächter.

O dieser freche, beleidigende Tod,

der uns ermordet aus weiter Ferne

über die Lust, die wir am Sterben finden

für eine Tasse Tee ...

für eine schwache Liebkosung.


Ausschnitt aus  Jose Gorostizias Gedicht "Tod ohne Ende"


Pünktlich am Samstag morgen trat der Super-Gau ein. Super-Gau? Ja, Super-Gau. Wie viele von euch wissen laborierte ich an einer Knieverletzung, hatte sechs Monate Laufverbot - April, Mai, Juni, Juli, August und auch noch den September, bis es im Oktover pianissimo wieder losging und im November auf 10k-Läufe im Grundlagenausdauerbereich 1 gesteigert wurde. (laut Aussage des Orthopäden vom 29.8. war die Knieverletzung schon damals late in August ausgeheilt). 

Am Montag den 3.12. wurde guten Gewissens eine Leistungsdiagnostik auf dem Ergometer durchgeführt. 400 Watt waren dann aber wohl doch zuviel?! Zwar konnte ich bis Freitag Trainieren, Schwimmen, Radfahren und Laufen, merkte aber, dass sich im Knie was tat. Nicht viel, aber es kribbelte ein wenig. Am Samstag morgen wunderte ich mich jedoch dann trotzdem ganz gewaltig, was der kleine Handball in meinem Bett  zu suchen hat. Fakt: Entzündung wieder ausgebrochen, Knie dick, richtig dick. Keine Schmerzen, dafür gehinkt wie Cpt. Hook.

Voller Absturz am Samstag morgen also, Birne total weich. Das Addieren kleiner Summen fiel schwer, ebenso das Listen von Primzahlen. Ob die Bachforolle dieselbe Schonzeit wie der Seesailbing hat? Ob ein Drop-Shot Köder zum Friedfischfang geeinget ist? Kann man mit einer doppelseitig verjüngten Flugschnur Äschen fangen? Konzentration? Welche Konzentration?

Um 11.15 Uhr war ich zur Online-Fischerprüfung nach Nürnberg geladen. Eine Prüfung auf die es sich monatelang vorzubereiten galt. Mittelprächtig durch den Wind setzte ich mich ans Steuer und navigierte den Audi eher instinktiv als kognitiv in die Maiacher Straße 60d zum Haus der Fischerei. Insgesamt 60 Fragen zur Fischkunde, Gewässerkunde, Fischhege/Naturschutz, zu den Fangmethoden und zur Rechtslehre galt es binnen 120 Minuten zu beantworten. Um 11.39 Uhr hatte ich die Schnauze voll und wollte nur noch eines: eine Zigarette! 

Die steckte ich mir auch an. Nachdem sich der Audi im Krieg jeder gegen jeden auf Deutschlands Autobahnen bewiesen hatte.  Um 12.15 Uhr zu Hause. Im Office. Sodann loggte ich mich ins System ein und riskierte einen Blick auf das Prüfungsergebnis. 59 von 60 Fragen richtig. 

Stinksauer auf den ganzen Schrott spare ich mir diese Woche das Sado-Maso-Studio, bestrafe mich selbst, fröne der Askese, faste und ziehe eine "Kaffee- und Zigarettendiät" voll durch. Vielleicht motiviert die Erreichung des Wettkampfgewichts den Faden wieder aufzunehmen? 


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